Alarmierende Entwicklung für unsere Innenstädte: Deutlich weniger Geschäfte auch 2026
Die aktuelle Prognose des Handelsverband Deutschland (HDE) zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Im Jahr 2026 wird der Einzelhandel bundesweit voraussichtlich rund 4.900 Geschäfte verlieren – bereits unter Berücksichtigung von Neueröffnungen. Im Norden wären rund 400 Einzelhandelsgeschäfte betroffen. Damit setzt sich ein langjähriger Negativtrend fort – seit über einem Jahrzehnt gehen bundesweit jährlich tausende Verkaufsstellen verloren. Besonders drastisch war die Entwicklung in den Corona-Jahren, doch auch danach bleibt eine nachhaltige Erholung aus. Für die Innenstädte bedeutet das: zunehmende Leerstände, sinkende Besucherfrequenzen und ein schleichender Verlust an Attraktivität. Der Einzelhandel als zentraler Anziehungspunkt unserer Stadtzentren gerät damit weiter unter Druck.
Bis Ende 2026 könnte die Zahl der Geschäfte in Deutschland auf rund 296.600 sinken – vor zehn Jahren waren es noch etwa 366.800. Diese Entwicklung trifft insbesondere den mittelständisch geprägten Handel, der das Rückgrat der regionalen Wirtschaftsstruktur bildet. Eine anhaltend schwache Konsumstimmung, steigende Kosten für Energie und Personal sowie hohe Abgaben verschärfen die Situation zusätzlich.
„Die Entwicklung ist auch bei uns im Norden längst spürbar. Leerstände nehmen zu, und vielerorts geraten gewachsene Handelslagen unter Druck. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, verlieren unsere Innenstädte weiter an Attraktivität und Funktion“, warnt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Nord, Dierk Böckenholt. Auch auf kommunaler und landespolitischer Ebene besteht daher dringender Handlungsbedarf. Städte und Gemeinden müssen gemeinsam mit der Landespolitik die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Innenstädte lebendig und wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehören unter anderem eine aktive und flexible Stadtentwicklungspolitik, die Nutzungsmischungen erleichtert, attraktive und saubere öffentliche Räume sowie praxisnahe Lösungen im Umgang mit Leerständen.
„Kommunen brauchen mehr Handlungsspielräume und Tempo – etwa bei Genehmigungsverfahren oder der Umnutzung von Flächen. Gleichzeitig erwarten wir, dass die Politik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Handel spürbar verbessert. Hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten und bürokratische Hürden bremsen viele Betriebe aus“, so der Hauptgeschäftsführer weiter.
Auch Immobilieneigentümer sind gefordert, stärker auf die aktuelle Marktsituation zu reagieren und tragfähige, umsatzorientierte Mietmodelle zu ermöglichen. Denn klar ist: Dauerhafter Leerstand schadet allen Beteiligten und schwächt die gesamte Innenstadt.
„Lebendige Innenstädte entstehen nur im Zusammenspiel aller Akteure – von Kommunen über Politik bis hin zu Eigentümern und Handel. Wir brauchen jetzt entschlossene Maßnahmen und echte Investitionsanreize, damit unsere Stadtzentren auch künftig Orte der Begegnung, Versorgung und Lebensqualität bleiben“, fordert Böckenholt.