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Handel im Norden warnt vor Belastungswelle: Mehrwertsteuer-Debatte, steigende Abgaben und neue Kosten gefährden Unternehmen

Kiel / Schwerin  / Hamburg, 1. April 2026 – Der Einzelhandel im Norden sieht sich mit einer wachsenden Belastungsdynamik konfrontiert. Neben steigenden Abgaben, höheren Kosten und neuen politischen Forderungen sorgt aktuell insbesondere die Diskussion um eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer für große Verunsicherung in der Branche. Dies setzt Unternehmen zunehmend unter Druck und trifft am Ende vor allem die Verbraucherinnen und Verbraucher. Der Handelsverband Nord (HV Nord) warnt vor einer gefährlichen Entwicklung für den Konsum und die regionale Wirtschaftskraft.

Mehrwertsteuer-Debatte wirkt bereits jetzt als Konsumbremse
Ausgangspunkt ist die bundespolitische Debatte, den Mehrwertsteuersatz von derzeit 19 auf bis zu 21 Prozent anzuheben. Der Handel reagiert darauf mit deutlicher Kritik – bundesweit hat sich die Branche in einem Brandbrief an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gewandt. „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre ein direkter Angriff auf den Konsum. Sie verteuert nahezu alle Produkte des täglichen Bedarfs und trifft damit ausgerechnet diejenigen, die ohnehin jeden Euro umdrehen müssen“, sagt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des HV Nord.
Schon die politische Diskussion entfaltet Wirkung: Die ohnehin gedämpfte Verbraucherstimmung wird weiter belastet. Das zeigt auch der Indikator für das Konsumklima: für April sinkt dieser laut GfK auf minus 28,0 Punkte und liegt damit um 3,2 Zähler unter Vormonat. „Wir erleben, dass nicht nur reale Kostensteigerungen wirken – sondern bereits die Unsicherheit. Wer steigende Preise erwartet, hält sich beim Einkaufen zurück“, so Böckenholt weiter. Branchenvertreter sprechen von einem „massiven Konsumkiller“.

Mindestlohndebatte verschärft die Lage zusätzlich
Auch die erneuten politischen Vorstöße den gesetzlichen Mindestlohn auf 15 Euro pro Stunde anzuheben, also früher und stärker als bislang beschlossen, bewertet der Handel als kontraproduktiv und kritisiert diese scharf. So nachvollziehbar das Ziel höherer Einkommen auch sei, bedeute dies doch erhebliche Mehrkosten für Unternehmerinnen und Unternehmer, mahnt Dierk Böckenholt. „Viele Betriebe arbeiten bereits heute am Limit. Weitere Lohnkostensteigerungen ohne entsprechende Entlastungen treffen den Handel ins Mark – besonders kleine und mittelständische Händler geraten dadurch zunehmend unter existenziellen Druck.“

Belastung kommt aus vielen Richtungen gleichzeitig
Die Mehrwertsteuer und Mindestlohn-Debatte sind aus Sicht des Verbands nur Teil eines größeren Problems. Parallel wirken zahlreiche weitere Faktoren wie wachsende Sozialabgaben oder steigende Energie- und CO₂-Kosten. Die vom Handel lange eingeforderte und von der Politik zwar zugesagte, aber nicht umgesetzte Senkung der Stromsteuer für alle Bürger und Unternehmen bleibt ein zentrales Versäumnis, das die Wettbewerbsfähigkeit schwächt und Betriebe wie Verbraucher weiterhin unnötig belastet.
Auch neue kommunale Abgaben, etwa auf Verpackungen, oder die deutliche Erhöhung von Kurabgaben in vielen Tourismusorten im Norden sehen auf den ersten Blick wie eine kommunale Einnahmeerhöhung aus, treffen jedoch den lokalen Handel: „Gäste, die mehr für ihren Urlaubsaufenthalt zahlen müssen, bleiben ganz aus oder sind kürzer vor Ort und geben am Ende weniger im Laden um die Ecke aus. Für unseren Handel, der ohnehin mit steigenden Kosten kämpft, zählt deshalb jeder Euro an Kaufkraft. Will man die Ortszentren nicht weiter schwächen, sind auch die Kommunen gut beraten, bei Entscheidungen über die Erhöhung von Kurabgaben oder bei Einführung weiterer neuer Abgaben ebenfalls die Kaufkrafteffekte für den lokalen Handel im Blick zu behalten“, warnt Kristin Just, Geschäftsführerin des Verbands in Mecklenburg-Vorpommern.

Klare Erwartung an die Politik
Der Handelsverband Nord richtet daher einen eindringlichen Appell an die Politik: Die aktuelle Diskussion um Steuer- und Abgabenerhöhungen muss gestoppt werden. Weitere belastende Maßnahmen wären nicht nur wirtschaftspolitisch kontraproduktiv, sondern gefährden aktiv Konsum, Arbeitsplätze und die Zukunft vieler Innenstädte und Ortszentren. „Was wir jetzt brauchen, ist kein Drehen an der Abgabenschraube, sondern ein klares Signal für Entlastung, Stabilität und Vertrauen. Wer den Konsum stärkt, stärkt auch unsere Innenstädte, Arbeitsplätze und die regionale Wirtschaft“, appelliert Dierk Böckenholt an die politischen Entscheidungsträger. Der Fokus der Politik richte sich leicht und schnell auf die Einnahmeseite. Im Vordergrund müsse aber mehr denn je das Ausgabeverhalten der öffentlichen Hand stehen, so der Verbandschef abschließend.

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